Schweizer IllustrierteNr. 14 / 8. April 2016

Ganz schön digital

Zürich soll der beste Ort für Jungunternehmer werden! Dafür kämpft <strong>Sunnie GroeneVeld, </strong>Geschäftsführerin von Digital Zurich 2025. Damit die Stadt zum Silicon Valley Europas wird.

TEXT MURIEL GNEHM
FOTOS THOMAS BUCHWALDER

Draussen brummt ein Rasenmäher. Sonst ist es still im Garten von Sunnie Groeneveld, der Geschäftsführerin von Digital Zurich 2025. Ein Kugelgrill und ein Plastikpool warten auf den Sommer.

Nicht nur der Garten, auch die Stube könnte etwas Leben vertragen. Da gibts nicht viel mehr als einen Esstisch, der zum Arbeitstisch wurde, zwei Bürostühle und ein Sofa. Daneben Pflanzen, die nicht viel Wasser brauchen, und mehrere gerahmte Lebensweisheiten. Etwa: «Do what you love.»

Viel Zeit scheinen Sunnie Groeneveld, 27, und ihr dänischer Partner Michael Bodekaer, 32, nicht im Reihenhäuschen in Ottenbach ZH zu verbringen, das sie von Groenevelds Grossmutter übernommen haben. Vielleicht deshalb, weil sie eben meistens das tun, was sie lieben: arbeiten. Sie bei Digital Zurich 2025, er in seinem eigenen Unternehmen Labster. Im Kühlschrank stehen nur ein Gerber-Fondue und zwei Sinalco. Das Paar verköstigt sich lieber am Arbeitsort in Zürich, vorzugsweise im vegetarischen Restaurant Hiltl.

Sunnie Groeneveld setzt sich auf die Schreibtischkante. Die junge Frau ist schlank, sie joggt regelmässig, für ihre gestikulierenden Hände aber braucht sie viel Platz. Wie alle Mitglieder von Digital Zurich 2025 teilt sie eine Vision: Sie will Zürich zum ­Silicon Valley Europas machen. Oder wie es Sunnie sagt: «Wir möchten der digitale Mittelpunkt Europas sein, wo die besten Ideen eine Heimat finden und sich Start-ups gerne niederlassen.» Für Zürich gibt es viele gute Gründe: Erstens ist in der Schweiz genügend Kapital vorhanden, um Start-ups zu finanzieren. Zweitens bringt die Eidgenössische Technische Hochschule viele kluge Köpfe hervor. Und drittens ist die Schweiz für Neuerfindungen bekannt.

Sunnie Groeneveld lacht laut auf – wie so oft. Ein sympathisches Lachen. Es ist aber auch das Lachen einer Gewinnerin. Man versteht, warum sie zur Geschäftsführerin von Digital Zurich 2025 gewählt wurde. Sie ist nicht nur klug, sie hat auch eine positive Ausstrahlung. Sowie den Mut, etwas zu wagen – und vielleicht auch, daran zu scheitern.

Diese amerikanische Einstellung war Sunnie Groeneveld früh eigen. Obwohl sie in Ottenbach aufgewachsen ist: Rund 2500 Einwohner, eine reformierte Kirche, ein schwarzer Hahn auf dem Wappen und 30 Autominuten nach Zürich. Ihre holländisch-italienische Mutter, die ihre Kindheit in Florida verbrachte, lehrte sie, an ihre Ideen zu glauben. Sunnie Groeneveld zog es nach der Schule an die renommierte Yale University, wo sie Wirtschaftswissenschaften studierte. Und wo sich ihr Glauben, es sei alles möglich, noch verstärkte. «Mark Zuckerberg hatte nur vier Jahre vor mir Facebook auf einem Universitätscampus aufgebaut.»

Ihr erstes eigenes Projekt verwirklicht sie während der Wirtschaftskrise 2008. Als sie um zwei Uhr morgens mit einem Uni-Kollegen Billard spielt und die rote Kugel klackend ins Loch fällt, weiss sie plötzlich, was sie will: eine Website aufbauen, auf der positive Erlebnisse mit andern geteilt werden. Um erfreuliche Gedanken in diese düsteren Zeiten zu streuen und aufzuzeigen, dass immer Gutes entstehen kann.

Nach dem Studium fliegt Sunnie Groeneveld zurück in die Schweiz. Sie fühlt sich gewappnet für eine eigene Firma, von der sie seit ihrer Studienzeit träumte. Mit ihrem Bruder gründet sie vor drei Jahren Inspire 925, eine Beratungsfirma, die sich dem Engagement von Mitarbeitern widmet.

Viel Zeit dafür bleibt der Geschäftsführerin von Digital Zurich 2025 nicht mehr. Im «120-Prozent-Job» muss noch viel Arbeit geleistet werden, um Zürich zu einem führenden Standort für digitale Start-ups zu machen. Für die Zeit danach hat sie dennoch schon Pläne: Sie will mindestens ein weiteres Unternehmen gründen. Die junge Frau zieht ein dickes Buch hervor. Es heisst «Founders at Work» und erzählt die Geschichten berühmter Firmengründer. Sie blättert darin. Dann lacht sie wieder und sagt: «Die interessanten Passagen in diesem Buch habe ich mit einem Eyeliner angestrichen, weil ich damals offenbar keinen Stift zur Hand hatte.» Vielleicht wird irgendwann auch ihre Geschichte in einem Buch zu lesen sein.

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