Schweizer IllustrierteNr. 26 / 30. Juni 2017

«Bauen mit Stokys weckt Emotionen!»

Generationen von Vätern und Kindern haben mit den Metallbaukästen von <strong>STOKYS </strong>Modelle gebaut. Nun ist die 75-jährige Firma aus Bauma ZH gerettet! Dank Crowdfunding im Internet.

TEXT THOMAS KUTSCHERA
FOTOS FABIENNE BÜHLER

Zehn Kilo schwer ist das Paradestück der Firma, aus 250 Metallteilen zusammengebaut von einem Unbekannten in den 1960er-Jahren. Mit grossen Augen betrachtet Beat Schaufelberger, 47, das ori-ginalgetreue Modell der guten alten Tante Ju. «Geschickte Finger braucht es dafür. Und unzählige Arbeitsstunden», sagt der Stokys-Geschäftsführer. Er selber hat sein erstes Stokys-Modell vor drei Jahren gebaut, einen einfachen Schneepflug. «Ich hatte schwer zu beissen, bis ich in der Materie drin war», erinnert sich der ausgebildete Elektroniker aus Hittnau ZH. «Umso grösser waren der Stolz und die Freude, als ich das fertige Modell in den Händen hielt. Bauen mit Stokys weckt Emotionen!»

Ein unscheinbares Gebäude im Gewerbegebiet Widen von Bauma im Zürcher Oberland: Hier werden die legendären Stokys-Metallbaukästen hergestellt, alles von Hand. Unten die Werkstatt mit sechs Maschinen aus den 1940er-Jahren, im ersten Stock das Büro und ein kleiner Fabrik­laden. Vier Angestellte hat Inhaber und Chef Beat Schaufelberger, unter ihnen Ernst Leimbacher, 68, und Ernst Schmid, 69, beide aus der Region.

Es rattert. 400 Lochbänder schaffe er an einem Morgen, sagt Leimbacher und lacht. Der pen­sionierte Schreiner und passionierte Tüftler hantiert an einer Stanzmaschine. Diese platziert Löcher in schmale Aluminiumstreifen, die anschliessend in verschieden lange Stücke geschnitten werden, sogenannte Lochbänder. Zusammen mit den Profilen (Alu-Teilchen mit Rillen) bilden diese den Hauptbestandteil eines Stokys-Metallbaukastens. 600 Artikel – mehr als die Hälfte aus Alu – umfasst das Warenlager, 90 Prozent davon werden in Bauma hergestellt. Im ersten Stock ist es ruhiger: Ernst Schmid, pensionierter Schlosser, füllt Metallbaukästen auf, Enkel Aedan, 7, leistet ihm Gesellschaft.

Den 75. Geburtstag feiert Stokys dieses Jahr. Gegründet wurde das Traditionsunternehmen von den Brüdern Stockmann, die Bezeichnung ihres Produkts leiteten sie von ihrem Familiennamen ab. 1942 produzierte das Unternehmen in Luzern den ersten in der Schweiz hergestellten Aluminium-Baukasten. Denn während des Zweiten Weltkriegs wurde praktisch kein Spielzeug mehr in die Schweiz importiert. Wenige Jahre zuvor hatten die Metallbaukästen von Meccano (aus Grossbritannien) und Märklin (aus Deutschland) den hiesigen Markt beherrscht.

In den 1950er-Jahren dann die Blütezeit! In jedem Spielwaren­laden ging Stokys weg wie frische Weggli. Eltern kauften die Kästen für ihre Kinder und Göttibuben, und auch ältere Männer freuten sich aufs herausfordernde Tüfteln. Geschäftsführer Schaufelberger: «Die damals verkauften Kästen funktionieren auch heute noch einwandfrei.» Seine Schätzung: In jedem fünften Haushalt findet sich noch ein Stokys-Kasten. 1974 der Höhepunkt: In jenem Jahr wurden Tausende von Baukästen verkauft. 1982 veräusserten die Stockmanns ihre Firma, diese ging mehrmals in andere Hände, seit 2015 ist Schaufelberger Mehrheitsaktionär. Stokys habe einen hohen pädagogischen Wert, sagt er. «Es fördert Kreativität, Vorstellungsvermögen und Ausdauer.» Eltern, die Stokys zum Verschenken kaufen, gibt er den Rat: «Schenken Sie auch Zeit!»

Heute harzt das Geschäft, die Konkurrenz ist gross: andere Freizeitaktivitäten, Lego. 400 Kästen verkaufte Stokys vergangenes Jahr, die andere Hälfte des Umsatzes kommt mit dem Einzelteilverkauf in die Kasse. «Zu wenig, um zu überleben», sagt Schaufelberger. Doch ein Crowdfunding dieses Frühjahr hat die Firma gerettet – 127 000 Franken kamen zusammen. Damit richtet Schaufelberger nun eine Online-Plattform ein: Auf ihr sollen Tüftler über ihre Modelle diskutieren und diese gemeinsam weiterentwickeln. «Die besten Ingenieure sind unsere Kunden! Jeder Mensch ist ein Schöpfer.»

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